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Flächenverbrauch bedeutet Artensterben

„Biodiversität“ beschreibt die biologische Vielfalt eines betrachteten Raumes auf drei verschiedenen Ebenen:


Artenvielfalt: Die Anzahl unterschiedlicher Tiere und Pflanzen. In Nordrhein-Westfalen leben über 43.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten.


Vielfalt der Ökosysteme: Die verschiedenen Lebensräume, in denen die Tier- und Pflanzenarten ein Refugium finden.


Genetische Vielfalt der Arten: Die Mengen an Genmaterial, die in einer Population oder einem Artenbestand vorhanden ist. Die genetische Vielfalt ist wichtig, damit sich Artbestände gegenüber äußeren Umwelteinflüssen oder Konkurrenten behaupten können..

Bereits viele heimische Arten gefährdet

In Nordrhein-Westfalen sind nur in wenigen Gebieten Naturvielfalt und Artenreichtum noch großflächig vorhanden. Besonders deutlich werden die Auswirkungen der Naturverdrängung durch die Ergebnisse aktueller Bestandserfassungen heimischer Tier- und Pflanzenarten in der Roten Liste Nordrhein-Westfalens. In ihr werden die gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere sowie deren aktuelle Bestandssituation, die lang- und kurzfristigen Bestandstrends, die Gefährdungskategorien und die bestehenden Risikofaktoren aufgeführt und stellenweise erläutert. Die aktualisierte Bestandserfassung von 2011 zeigt deutlich, dass 37% der jemals erfassten heimischen Pflanzen, Pilz- und Tierarten in NRW in geringem oder starkem Umfang gefährdet und 9% bereits ausgestorben sind!

Die Zerschneidung der Landschaft fördert das Artensterben. Foto: Fotolia

Landschaftszerschneidung verantwortlich

Als wesentliche Ursache für den Artenverlust gilt die durch den Flächenverbrauch resultierende Landschaftszerschneidung. Die Zersiedelung der Landschaft und die Netzstrukturen des immer weiter ausgebauten Verkehrssystems bewirken eine im Vergleich zur tatsächlich beanspruchten Fläche überproportionale Verinselung, Zerschneidung und Einengung von Lebensräumen. Die direkten Auswirkungen davon, die einen kontinuierlichen Verlust der biologischen Vielfalt bedeuten, sind vielfältig. Die Zerschneidung von Lebensräumen behindert verschiedene Arten bei ihrem natürlichen Wanderungsverhalten, wodurch die Fortpflanzung eingeschränkt wird und somit der Genpool der jeweiligen Population verarmt und diese geschwächt wird.

Lärm verstärkt die Probleme noch

Die mit menschlichen Nutzungen entwerteten Naturflächen emittieren Lärm, welcher insbesondere für scheue Arten problematisch ist, da ihre Aktivitätsräume eingeschränkt werden und sich Störungen bei der Aufzucht des Nachwuchses sowie bei der Nahrungssuche ergeben.
Ein guter Indikator, der dieses Problemgemenge anschaulich verdeutlicht, ist die kontinuierliche Abnahme der sogenannten „unzerschnittenen verkehrsarmen Räume“. Besonders Arten mit großem Raumbedarf und Aktionsradius, wie große Säugetiere oder Greifvögel, sind sehr stark darauf angewiesen, sich uneingeschränkt in der Landschaft zu bewegen. Das Bundesamt für Naturschutz definiert dabei unzerschnittene verkehrsarme Räume als

  • mindestens 100 km² groß,
  • von keiner Straße mit einer durchschnittlichen Verkehrsmenge von mehr als 1000 Kfz in 24h durchschnitten,
  • von keiner Bahnstrecke durchschnitten,
  • nicht von Gewässern bedeckt, die mehr als die Hälfte des Raumes beanspruchen.
Unzerschnittene Landschaftsräume sind selten in NRW. Foto: Fotolia

Großflächige Wanderung von Arten fast unmöglich

In NRW gibt es nur noch vier unzerschnittene verkehrsarme Räume, die gerade einmal 3% der Landesfläche ausmachen. Durch das immer engmaschigere Netz von mehrspurigen Straßen, die für Tiere einfach unüberwindbar sind, wird das gesamte Bundesgebiet immer weiter segmentiert und eine großflächige Wanderung verschiedener Arten komplett unmöglich gemacht. Zur Lösung des Problems sollten nicht nur im Zuge von Neu- oder Umbauten von Verkehrswegen technische Querungsmöglichkeiten wie Grünbrücken eingerichtet, sondern auch bei bestehenden Verkehrstrassen diese nachträglich installiert werden.

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